dreimaldrei 2026

Marianne Jungmaier und Karin Peschka laden wieder zu drei besonderen Abenden ins Eferdinger Gastzimmer: Es wird literarisch und musikalisch, denn die Lesereihe dreimaldrei stellt 2026 neben neun Schriftstelle/innen auch zwei Musikerinnen vor. Wir geben hier einen kleinen Ausblick auf das Programm. Informationen zu den Terminen, auf die wir uns jetzt schon freuen, finden sich auch auf www.drei-mal-drei.at.

Beginn jeweils 19.30 Uhr. Der Eintritt ist  frei. Wer möchte, sichert sich über per Mail an mail@drei-mal-drei.at oder kontakt@gastzimmer.at einen Platz.

Unsere Eferdinger Buchhandlung Buch & Büro Schachinger wird wieder einen Büchertisch anbieten, und wie immer wird im Anschluss an die Lesungen mit Getränken und Grissini gefeiert. Wir freuen uns!

Donnerstag, 3. September 2026

Volha Hapeyeva | Markus Köhle | Karl-Markus Gauß

Beate Wiesinger (Kontrabass)

❦ Volha Hapeyeva liest aus „Wörterbuch einer Nomadin“, erschienen 2026 bei Droschl.
Volha Hapeyeva legt ein ebenso poetisches wie persönliches und politisches »Wörterbuch« über ihre Nomadenjahre zwischen Belarus, Deutschland, Kreta und Japan vor. Einzelne, vermeintlich unscheinbare Wörter sind der Ausgangspunkt und öffnen ganze Denk- und Erfahrungswelten. So ist der gedankliche Weg von »sad« (Ziergarten) und »harod« (Nutz- oder Gemüsegarten) zum Garten Eden, zu Stadt- und Staatsgrenzen nicht weit – und schon stehen wir vor den Fragen: Wie frei sind wir wirklich in der globalisierten Welt? Und wie sehr entscheidet der richtige oder falsche Pass über einen Teil unseres Lebens? (Quelle: Droschl – Wörterbuch einer Nomadin)

Markus Köhle stellt seinen 2023 bei Sonderzahl erschienen Roman „Das Dorf ist wie das Internet, es vergisst nichts“ vor.
Markus Köhle unternimmt mit viel Sprachwitz in seinem Romandebüt eine Tour de force, in der er seinen aufmerksam registrierenden Protagonisten Lukas auf seinen Zugreisen durch die Bundesländer den großen Themen unserer Zeit begegnen lässt: Deutlich zu spüren ist da das »Stadt-Land-Kluft-Schlamassel«, die sture Ignoranz gegenüber der nötigen Veränderung (»die Füße schischuhschwer, aber die Nase immer oben«), ein bestenfalls halbes Bewusstsein von Überalterung und Pflegenotstand und, natürlich, eine große Unlust, sich mit all dem ernsthaft auseinanderzusetzen. (Quelle: Sonderzahl – Das Dorf ist wie das Internet, es vergisst nichts)

Karl-Markus Gauß liest aus „Die Liebe kommt immer zu spät“, der Roman erschien 2026 bei Zsolnay
Karl-Markus Gauß, der literarische Kartograf der europäischen Ränder, ist wieder auf Reisen gegangen. In Bosnien sucht er nach den Spuren einer multikulturellen Welt und findet sie bei seinem verstorbenen Freund Dževad Karahasan. In Slowenien folgt er den Lebenswegen zweier tapferer Frauen, einer legendären Anwältin, die sich die Freiheit nahm, bald als Frau, bald als Mann zu leben, und einer kleinwüchsigen Schriftstellerin, deren Bücher auf der ganzen Welt gelesen wurden und die in der Stadt, die sie jetzt feiert, völlig verarmt gestorben ist. Und warum das obersteirische Bruck an der Mur und Beloiannisz in der ungarischen Puszta eigentlich auf dem Peloponnes liegen und Österreich auch eine griechische Geschichte hat, ist aus der dritten Reiseerzählung zu erfahren. (Quelle: Zsolnay – Die Liebe kommt immer zu spät)

Beate Wiesinger bringt mit ihrem Kontrabass neue Zwischentöne ins Eferdinger Gastzimmer.
Beate Wiesinger ist Bassistin und Musikschaffende und lebt in Wien. Ihr künstlerisches Schaffen ist genreübergreifend und widmet sich unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema Improvisation. Sie ist Gründerin der Band E C H O BOOMER, in der sie vielfältige Klangsprachen und Ausdrucksformen vereint. Mit dem Ensemble wurde sie 2024 mit dem Österreichischen Jazzpreis in der Kategorie „Best Album“ ausgezeichnet. Neben ihrer Bandleitung ist sie als Sidewoman in zahlreichen Ensembles tätig. Seit 2024 unterrichtet sie an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien.(beatewiesinger.com)


Donnerstag, 22. Oktober 2026

Sabine Scholl | Anja Bachl | Andrea Grill

Flora Geißelbrecht (Viola)

❦ Sabine Scholl liest aus ihrem Roman „Die zweite Haut“, erschienen 2025 bei Weissbooks.
Stoffe, Fäden, Nähen bildeten für eine ganze Generation ein wesentliches Element des Aufwachsens. So auch für die Erzählerin und ihre Brüder, die in prekären Verhältnissen in einem kleinen Dorf in Oberösterreich von ihrer Mutter geradezu eingenäht wurden. Anhand einzelner Kleidungsstücke wird ein ganzes Leben nachgezeichnet, Armut und Ausgrenzung, Scham, aber auch ein Ringen um Emanzipation der Erzählerin als Studentin, Schriftstellerin und Mutter. Die Autorin hat einen literarischen Zugriff auf die tiefen Wunden des Lebens gefunden, auf die Scham der Armut, auf den Mangel an mütterlicher Liebe, auf die Prägung der Herkunft, die einen ein Leben lang begleitet. (Quelle: Weissbooks – Die zweite Haut)

❦ Anja Bachl stellt ihren 2026 bei Haymon erschienenen Lyrikband „Mitternachtszustand“ vor.
In Anja Bachls Lyrik werden Reibungen gesammelt; die Strophen legen Risse frei, durch die wir hindurchsehen – auf uns selbst, auf andere, auf das Unausgesprochene. Wir finden uns in einer Sprache wieder, die bricht, sucht und sich neu zusammensetzt, in der wir uns verlieren dürfen und doch gespiegelt werden: tastend, schwebend, widerspenstig gegen das Abhandenkommen. Ob im Atemholen nach dem Aussetzen des Herzens, dem Zulassen des Glitchs oder dem Umlegen aus unsanften Zähnen – Mitternachtszustand sucht das Trotzdem. (Quelle: Haymon – Mitternachtszustand)

❦ Andra Grill liest aus „Sonnenspiel“, der Roman erschien 2026 bei Leykam.
Ein Dorf in Apulien. Ein Haus am Meer. Ein Garten voller Olivenbäume und Zitrusfrüchte. Hier lebt Loredana Sartoro unter einem Dach mit ihren Eltern. Sie ist Mutter von drei Kindern und näht in Heimarbeit Kleider für eine italienische Luxusmodemarke. Als eine Journalistin auf Urlaub von ihren prekären Lebensumständen erfährt, will sie einen großen Enthüllungsartikel schreiben. Davon will Loredana aber nichts wissen. Kurzerhand sperrt sie die hartnäckige Journalistin in ihre Speisekammer. Während Loredana entdeckt, wie verführerisch es ist, Macht auszuüben, erhält sie den Auftrag, die legendäre Statue der  Schmerzensmadonna aus dem Dom neu einzukleiden. Eine überraschende Geschichte entspinnt sich zwischen den zwei Frauen. (Quelle: Leykam – Sonnenspiel)

❦ Flora Marlene Geißelbrecht wird uns mit ihrer Viola durch den Abend begleiten.
Flora Geißelbrecht wurde 1994 geboren. Sie ist als Bratschistin, Komponistin, Vokalistin und Liedtexterin gefragte und glückliche Akteurin der österreichischen Neue-Musik-, Jazz-, Impro- und Theaterszene, unter anderem spielte sie am Burgtheater, komponierte für die Linzer Klangwolke 2026 und die Styriarte und hat diverse eigene Ensembles. Im Jahr 2022 gewann sie den Berlin Prize For Young Artists und ist seitdem auch mit ihren Soloprogrammen für Viola&Stimme unterwegs, in denen sie ihre musikalischen Fähigkeiten und Interessen mit Elementen aus Figuren-, Bewegungs- und Schattentheater kombiniert. (https://florageisselbrecht.at)


Donnerstag, 19. November 2026

Fiston Mwanza Mujila  | Franziska Füchsl | Kinga Tóth

❦ Fiston Mwanza Mujila liest aus seinem Gedichtband „Kasala für meinen Kaku“, erschienen Anfang 2025 im Müry Salzmann Verlag.
Anrufungen, Beschwörungen und Lobpreis (was „Kasala“ auf Kiluba bedeutet), Geschichten und Gesichte einer Stimme, die alle Instrumente einer Jazz-Band aus sich heraus zu orchestrieren scheint: Mit prallen, bunten Bildern, ebenso heiteren wie bestürzenden Szenen und Motiven inszeniert Fiston Mwanza Mujila eine mitreißende Dichterrede, deren kolossale Übertreibung jegliches Pathos implodieren lässt und umso schwungvoller poetische Energie zu entfesseln vermag – als Gegenfeuer zum Falschen des Bestehenden. Aus unterschiedlichen lyrischen Traditionen anklingende Obertöne erzeugen die Atmosphäre einer hybriden Welt, die sich aus Versatzstücken aus verschiedenen globalen Räumen und Zeitschichten amalgamiert. (Quelle: Ritter-Verlag – Kasala für meinen Kaku)

❦ Franziska Füchsl stellt ihren 2025 in der Edition Thanhäuser erschienenen Band „Am Rande der Müh“ vor.
Im Südhang der europäischen Wasserscheide am Südrand des Böhmischen Hochlands, einem Grenzknoten, einem versteinerten Strudel, entspringen die drei Mühflüsse, de Gloane, de Stoanane, de Gręǫße auch Grǫıße. Das hügelige, erst kurz vor der Donau scharf abfallende Hochplateau, das sie lenkt und dem sie entrinnen, schreibt sich Oberes Mühlviertel. Doch jenes ‚l‘, das der Müh’ ihr Wasserrecht zusichert, kommt nicht zur Mündung. Unentwegt wird der Fluss angezapft und umgelenkt. Wir begegnen ihm stets im übertragenden Sinn. Wir stehen am Ufer und springen: zu Wehr und Wasserstand, zu Rad und Mühle, Mehl, Brot und Betrug, zu Knochen, Teufel und sicherem Tod, zu Holzschliff, Bütte und Konfetti, zu Strom, Licht und Elektroschrott, zum Stoff, aus dem Hymnen nicht sind. Das Weg- und Umweggehen lässt sich den Flüssen abschauen, die noch bleiben und schon über alle Berge sind. (Quelle: Edition Thanhäuser – Am Rande der Müh)

❦ Kinga Tóth liest aus „MariaMachina“, das Buch erschien 2026 bei Matthes & Seitz Berlin.
Welche Rollen konnten Nonnen früher in Gesellschaft und Kunst übernehmen, welche Möglichkeiten haben Frauen heute? Kann Rückzug ein Akt der Selbstbestimmung sein – oder ist er Kritik an gesellschaftlichen Zwängen? In ihrem Gebetsbuch MARIAMACHINA verknüpft die Lyrikerin und Performancekünstlerin Kinga Tóth traditionelle Gebete und die Stimmen heiliger Frauen vom Mittelalter bis heute mit den Erfahrungen moderner Frauen. Dabei treten Nonnen, Liebende, Kämpferinnen, Cyborgs und selbstkompostierte Frauen ins Gespräch, verschmelzen in einer vielstimmigen Collage aus liturgischen Fragmenten, Alltagsgegenständen, Ostblockhexenriten und neuen Sprachbildern Vergangenheit und Gegenwart. Was daraus entsteht, ist ein kollektives Gebet für Freiheit, Gleichgerechtigkeit und Care, eine radikal-poetische Anrufung sowohl des Menschen als auch des Mehr-als-Menschlichen. (Quelle: Matthes & Seitz – MariaMachina)